ARS NATURA - Kunst am Wanderweg auf der Wilbahn X3
Mit 20 neuen Kunstwerken entlang der Wildbahn X3 hat der Kunstwanderweg ARS NATURA eine neue Etappe.
Und wieder ist ein neues Teilstück des ARS NATURA fertig gestellt.
Ab der Metzebacher Höhe bis zur Hohen Buche reicht das neue Teilstück.
Die Wildbahn X3 ist nun mit 20 Kunstwerken in Abständen von ca. einem Kilometer um "zwanzig Attraktionen" reicher. Die Standorte werden in der nächsten Zeit noch mit Sitzbänken vervollständigt und laden den Wanderer so zum längeren Verweilen an den Objekten ein.
Wächter I, II und III
Die archaisch anmutenden Skulpturen sind Wächter über die Landschaft hier am X3. Alle drei stehen, jeweils in etwa 700m Abstand zwischen Dreikönigsstein und Metzebacher Höhe, an Orten, die einen freien Blick ins Land gewähren. Die vier Meter großen vogelartigen Wesen, wachen mit Weitblick über die Pflanzen, Menschen und Tiere der Landschaft. Die Werke, subtil unterschiedlich und doch in selben Duktus zeigen deutlich die Inspiration durch die Kunst von Naturvölkern; Arbeitsaufenthalte und Studienreisen führten die Künstlerin nach Afrika, Arabien, Asien und Amerika. Wie die meist Gottheiten darstellenden Kultfiguren sind diese Skulpturen zeichenhaft auf ihre wesentlichen Merkmale vereinfacht und gewinnen gerade dadurch ihre Kraft des Ausdrucks, ihre Unmittelbarkeit und Lebendigkeit. „… in den Holzarbeiten scheint die Zeit geronnen zu sein. Die schmalen, hoch aufgerichteten Figuren sind geschlechtsindifferent und das Individuelle ist zurückgenommen. … Jede für sich beansprucht einen eigenen Wirkungsraum und doch ergeben sich erst in der Zuordnung zu den anderen vielfältige Ambivalenzen“ (Dr. Ingrid Maut).
Cinema Natura
100 Meter abseits vom Weg auf der Metzebacher Höhe mit grandiosem Blick auf das Gudetal mit seinen Feldern und Dörfern, den Alheimer, die zweithöchste Erhebung des Stölzinger Gebirges, und in der Ferne selbst auf den Eisenberg im Knüll steht die siebenteilige Installation „Cinema Natura“ aus Eiche und Stahl und lädt zum Schauen ein. „Im Gegensatz zum Kino kann der Aufführungsbeginn nicht verpasst werden, da der Spannungsbogen immer gleich hoch ist: Natur im wechselnden Licht von Morgen und Abend, von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, die täglich eine andere Art Aufführung sichert.
Die Arbeit setzt der schnellen visuellen Welt, die uns täglich umwirbt, die Gelassenheit und Stille von Natur entgegen und konfrontiert die Erwartungshaltung einer Kinoplatzierung mit den ganz allmählichen Ritualen in freier Natur“ (Luzia Lippert). Das Werk ist assoziiert mit den als Antwort auf heutige Schnelllebigkeit hochaktuellen Konzepten der Entschleunigung und Kultur der Langsamkeit.
Portal
Die beiden naturbelassenen Sandsteine markieren den Übergang in eine andere Welt, ein anderes Gebiet, eine neue Erfahrung… . Das Portal macht darauf aufmerksam, dass hier der Wald beginnt, die Grenze zu einem anderen Verwaltungsbereich, dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, überschritten wird, unter dem Thema „Weitblick“ ein neuer ARS NATURA-Abschnitt entstanden ist. „Weitblick“ kann neben dem Blick auf neue landschaftliche Räume aber auch die gedankliche Antizipation eines neuen Lebensabschnittes, selbst die Reflexion des Übergangs vom Leben zum Tod, der vielleicht nur eine andere Art des Lebens ist, bedeuten.
Innere Verbäumung
IV Bäume sind hier Kommunikationspartner und Plattform für eine ver-rückte Auseinandersetzung mit uns umgebenden Alltagsfloskeln. Witzig und geistreich formulierte Sprüche erscheinen zunächst rein humoristisch, können aber im Kontext der Bäume, des Waldes, der Umwelt auf soziokulturelle und ökonomische Hintergründe und Fragwürdigkeiten hinweisen. Die Sprüche an den Bäumen sollen die Beziehung zwischen Mensch und Natur ad absurdum führen, sagt der Künstler selbst. Er hat sich hier wirklich bemerkenswerte Gedanken zum Thema „Weitblick“ gemacht.
Verwandlung
Die schweren alten Eichenbretter tragen wie ein Druckstock, nur im Positiv, Lettern, die sich zu Wörtern, schließlich zu einer Geschichte zusammensetzen. Es ist eine Geschichte der Vergänglichkeit, wobei es fraglich bleibt, ob sich ein Stein zur Wolke verwandeln kann. Nur Äon könnte die Antwort kennen und dem Stein den Wunsch erfüllen.
Königssohn
Die Arbeit ist die letzte der Trilogie der Wandlungen. Im ARS NATURA-Abschnitt Bad Zwesten steht die erste, den Balance-Akt des Lebens vollführend, im Kurpark von Bad Wildungen die zweite – ein Fährmann in seinem Boot, an Charon erinnernd und hier nun die dritte: aufgebahrt eine schemenhafte Figur – ist sie in Schlaf versunken oder schon in das Stadium eines anderen Übergangs eingetaucht? In einiger Entfernung ist eine kleine Treppe in den Boden eingelassen. Aufstieg oder Abstieg? Zwei Figuren, aus Hasenfellen geformt, scheinen über die Szene zu wachen und auch ihr Schlüssel zu sein. Mythologisch wird der Hase häufig mit Mondgottheiten in Verbindung gebracht und verkörpert Wiedergeburt und Auferstehung. Bei manchen mittelalterlichen Darstellungen des Hasen ist aus dem Kontext zu erschließen, ob der Lauf des Menschen in sein Verderben oder das Streben zum ewigen Heil gemeint ist. Sinnbild der Wiedergeburt ist der Hase auch für Joseph Beuys, in dessen Oeuvre der Hase immer wieder auftaucht. Im Kontext seiner Kasseler Aktion „Wie man einem toten Hasen die Kunst erklärt“ sagte Beuys, dass der Hase "...direkt eine Beziehung zur Geburt hat... Für mich ist der Hase das Symbol für die Inkarnation. Denn der Hase macht das ganz real, was der Mensch nur in Gedanken machen kann. Er gräbt sich ein, er gräbt sich eine Mulde. Er inkarniert sich in der Erde, und das allein ist wichtig.“
Nachtkatze
In der Form der abstrakten keramischen Plastik lässt sich vage eine schlafende Katze vermuten, vielleicht eine Wildkatze, wie sie doch immer häufiger in unseren Wäldern anzutreffen ist? Mit ihrer fröhlichen Farbigkeit soll sie zur Belebung von Landschaft und Wanderern beitragen.
„Die Phantasie des Betrachters wird angeregt. Das Werk soll kraft seiner Ausstrahlung und Existenz wirken.
Zu den Chancen eines bildlichen Verstehens zitiert Michael Bockemühl Johann Wolfgang von Goethe: „Bei einer solchen Komposition komme es darauf an, dass die einzelnen Massen bedeutend und klar seien, während es als ein Ganzes immer inkommensurabel bleibt, aber deswegen, gleich einem unaufgelösten Problem, die Menschen zu wiederholter Betrachtung immer wieder anlockt“(Kunstforum Bd.88,1987,dort: Michael Bockemühl, Bild und Gebärde, S.97)“ (Monika Otto)
Die blaue Blume
„Die Arbeit bezieht sich auf die blaue Blume der Romantik, Symbol für Aufbruch und Suche nach der Erfüllung einer unbestimmten Sehnsucht ….Die nicht wirklich existierende Blume, dargestellt als Ausschnitt in einer einem Verkehrszeichen entsprechenden Form, lenkt den Blick in die Ferne, in der die Blume zu suchen ist. Die im Verhältnis zur näheren Umgebung blau wirkende Ferne lässt auch die Blüte blau erscheinen, deren reales Vorbild vielleicht die Kornblume war (Cornelia Urban).
Verlassene Haut
Die Eichenschalen mit einer glatten Außenfläche und einer groben Innenfläche, an einer Stelle durchbrochen, lassen den Gedanken einer Mumifizierung aufkommen, zumal die Maße dieser Aufbruchstelle menschlich sind. Aber es ist auch möglich, dass aus dem überdimensionalen Kokon ein anderes Wesen geschlüpft ist und eine neue Lebensphase begonnen hat.
Tramp
Einen Tramp treibt es meistens in die Ferne und die Freiheit. Hier hat er scheinbar Rast gemacht und will in der nahegelegenen Alheimerhütte einkehren. Die Figur wurde aus robuster Eiche gefertigt.
Spurensuche
Hier geht der Blick weit zurück in die Entstehungsgeschichte der Erde, um annähernd begreifen zu können wie sich unser Planet bis heute entwickelte.
„Die Geschichte der Erde ist eine Spurensuche - nichts erschließt sich offensichtlich, es liegt im Verborgenen. Die Suche nach den Spuren des Ursprungs ist das Ziel des Seins. In den Gesteinen sind die Spuren des Ursprungs zu finden, sie müssen gefunden werden und das ist der Weg. Jedes Gestein hat seine eigene Spurengeschichte- der Granit, die Tiefe der Welt, verbirgt die Spuren des Fundaments des Seins - Ablagerungen sind der lange Weg des Wandels der Zeiten und des Lebens - Kalk ist eine Kernspur des Lebens“ (Joachim Reitner).
Bei den Steinen handelt es sich um
- -Findling aus Norddeutschland, Rapakivi-Granit aus dem Präkambrium, 2 Milliarden Jahre, von Skandinavien
vor 2 Milliarden Jahren, im Präkambrium, dort entstanden, wo heute Skandinavien liegt
- einen roten Sandstein des unteren Perm, 290 Millionen Jahre, von Tambach in Thüringen mit Trockenrissen und Spuren von Lebewesen, z.B. Insekten
- einen roten Kalkstein des unteren Juras, 195 Millionen Jahre, von Adnet bei Hallein in Österreich mit Krusten aus Eisen- und Mangan-Bakterien und marinen Lebewesen wie Ammoniten (Tintenfische).
Weitblick
Eine sitzende überlebensgroße zweidimensionale, wie mit einem Strich gezeichnete Figur zeigt auf ein in einiger Entfernung aufgestelltes Auge als Symbol des Weitblicks. Eine Konzentration auf das Sehen, die optische Wahrnehmung, scheint hier beabsichtigt zu sein Schon Euklid setzte sich im 4. Jh. v.Chr. mit Problemen der Raumwahrnehmung wie Perspektive und Größenkonstanz auseinander. Sehlinien gehen nach dieser Theorie vom Auge aus und bestimmen die Wahrnehmung. Dies entspricht im modernen Sinn der fovealen Wahrnehmung. Der foveale Wahrnehmungsbereich ist der Teil unserer Umwelt, den das Auge am schärfsten wahrnehmen kann. Dieser Bereich umfasst cirka 2° des horizontalen und cirka 1° des vertikalen Gesichtsfelds. In diesem Bereich ist auch die Farbempfindlichkeit der Netzhaut maximal.
Die Wahrnehmungstheorie von Empedokles, 5.Jh. v. Chr., stand im Kontrast zu Euklids Theorie: Lichteinflüsse dringen in die Sinnesorgane ein und werden wahrgenommen, wenn sie dort eine Entsprechung finden. Das Erkennen von Dingen der Außenwelt, ohne genau hinzuschauen, entspricht heute der peripheren Wahrnehmung. Im peripheren Bereich finden fast keine Tiefenwahrnehmungen der Umwelt statt. Stattdessen liefert das periphere System viele Informationen für die Steuerung von Blickbewegungen. Ewald Rumpfs Komposition scheint sich hier mehr mit dem zielgerichteten fovealen, scharfen Sehen zu beschäftigen, der offensichtlich richtungsweisende Arm deutet darauf hin. Andererseits schweift der Blick der Figur auch über das Auge hinaus in die Weite.
Claude-Spiegel I-III
„Bevor ich auf die Arbeit selbst eingehe, einige Bemerkungen zur Kulturgeschichte des Spiegels:
In seiner archaischen Form trat der Spiegel in der etruskischen Kultur hervor. Bestehend aus polierter Bronze und in Form eines klassischen Handspiegels sind die noch existierenden Exemplare die am sorgfältigsten ausgearbeiteten etruskischen Gegenstände. Diese sorgfältige Ausarbeitung weist sie als Kultgegenstände aus. Die auf den Rückseiten dargestellten Szenen stellen die Unabänderlichkeit des Schicksals dar. Das gespiegelte Selbst war nicht Selbst, sondern rätselhafte Erscheinung in einer rätselhaften, von unbekannten Kräften gelenkten Welt.
Nach dem Mittelalter untersuchte die Renaissance, anknüpfend an die klassische antike Philosophie wieder verstärkt die Bedingungen menschlicher Wahrnehmung. Die Zentralperspektive ermöglichte es zum Beispiel, Natur nicht nur empirisch abzubilden, sondern auch natürlich scheinende Räume zu konstruieren.
In der Folge dieser Entwicklung schuf sich der Landschaftsmaler Claude Lorrain (1666-1682) aus einem Spiegel ein Werkzeug, den nach ihm benannten Lorrain- oder Claude-Spiegel. Er bestand aus poliertem schwarzem Glas und war leicht gewölbt. Mit seiner Hilfe legte der Maler den gewünschten Bildausschnitt fest. Durch die schwarze Färbung löschte der Spiegel die Farben fast gänzlich aus und erleichterte die Auffassung der Linienführung. Wichtig ist, dass die Bildfindung nicht anhand des materiellen Urbilds, sondern seines, vom Menschen manipulierten, immateriellen Abbilds erfolgte.
Seine größte Verbreitung fand der Claude-Spiegel folgerichtig im 18ten Jahrhundert, als die Aufklärung das „Ich“ ins Zentrum jeglicher Wahrnehmung und damit der Philosophie setzte. Nur in Form klarer Taschenspiegel im Format klassischer Landschaftsgemälde (Seitenlängen etwa 2 zu 3) wurde die Landschaft mit seiner Hilfe nach bildhaften „picturesquen“ Motiven durchsucht. Nicht mehr das Naturerlebnis, sondern dessen selektive Wahrnehmung stand im Mittelpunkt des Interesses.
In diesen Zusammenhang stellt sich die Arbeit Claude-Spiegel I-III. Selbstverständlich herrschen heute andere Beziehungen zwischen Bild und Abbild als zu Zeiten des Rokoko. In unserer medial geprägten Welt stellt das Spiegelbild eine Echtzeit – eine Live-Übertragung - dar. Wird uns bei der televisionären Live-Übermittlung mittels einer komplexen Bildregie künstlich das Gefühl von Teilhabe vermittelt, erscheint uns der Spiegel als direktes Abbild der Wirklichkeit. Erst die vorgeblich kleinen Unterschiede – das Bild tritt uns „spiegelverkehrt“ gegenüber, es existiert in einer festgelegten Begrenzung – dem gewählten Format -, führen uns zu der Erkenntnis, dass Bild und Abbild, Welt und Wahrnehmung nicht deckungsgleich sein können.
Die Installation Claude-Spiegel I-III ermöglicht es dem Betrachter, sich an der Schnittstelle von Bild und Abbild, Natur und Kunst zu bewegen.… Das Format verändert sich von 30 cm x 45 cm (klassische 2 zu 3-Proportion) über 25 cm x 50 cm (1 zu 2) zu einem modernen Panoramaformat von 20 cm x 60 cm (1 zu 3). Der Betrachter steht mit dem Rücken zum Panorama und betrachtet einen, vor dem Hintergrund des Waldes schwebenden ausgewählten Ausschnitt dieses Panoramas. Ee steht zwischen Natur und Kunst. Er kann sich durch Verändern seines Blickwinkels selbst ein Bild machen. Er stößt an Grenzen“ (Jörg Hasheider).
Weitblick-Terminal
Eine offene Bibliothek, Bücher können entnommen oder eingebracht werden. Es gibt bereits bei Bad Zwesten das R- für Reneration, das H für Frau Holle in Hessisch Lichtenau, das B in Buchenwäldern bei Melsungen, das F in Kassel – am Fluss Fulda, das X in Spangenberg als Symbol der Kreuzung der beiden Fernwanderwege, im Bereich Wildungen das P für das Paradiesische, das man hinsichtlich der gestalteten Landschaft zum Zeitpunkt der Landesgartenschau zitierte, hier nun das W für Weitblick, den man beim Wandern genießt – in der Landschaft und in der Seele. Das Wörterbuch der Brüder Grimm inspirierte den Künstler zu dieser funktionalen Buchstaben-Serie. Ziel ist, allmählich das Alphabet in Form dieser offenen Bibliotheken am ARS NATURA zu vollenden.
Die Schreitende
Die elegante Formgebung der Figur zeugt von einer feinsinnigen weiblichen Handschrift. Die abstrahierende Darstellung einer Schreitenden spart die materielle Gestaltung des Kopfes aus, dieser scheint von der Natur selbst gebildet zu werden. Somit wird die Figur eins mit der Natur und dem Raum. Fließende Form und Bewegung prägen diese ästhetische Arbeit.
Last Sanctuary
Die Reflexion des Rotenburger ARS NATURA-Mottos "Weitblick" im Unterricht sowie die Auserarbeitung von Exposés ließ als eine Idee, die von allen Schülerinnen und Schülern des Kurses mitgetragen wurde, "Last Sanctuary" entstehen. "Weitblick ist eine Fähigkeit über Erkenntnisse in die Zukunft zu blicken, diese vorherzusagen, zu formen oder zu akzeptieren" (Nikita Schneider). Das Bewusstsein um Umweltverschmutzung, Klimawandel, allgemein Bedrohung der Flora und Fauna führten zur Eröffnung eines besonderen Blicks auf ein Stück unberührt wirkende Natur. Der farbige „Trichter“ im Baum, der den Blick lenkt, besteht aus Weidenruten und Bändern, deren Farbigkeit in die Weite führt. Steht man auf der Steinplatte am gegenüber liegenden Wegesrand, so schaut man durch die Ringe auf ein Waldstück und den sich darüber wölbenden Himmel. Der Ausschnitt wirkt sehr ruhig und friedvoll, wie ein Paradies für Tiere und Pflanzen, vielleicht auch für Menschen. „Last Sanctuary“ lautet in der Übersetzung nur zum Einen „letztes Heiligtum“, es bedeutet auch „ letzte Freisstatt, letztes Schutzgebiet, letzter Zufluchtsort“. Erich Fromms sinnreiche Worte sollen uns beim Betrachten des Landschaftsausschnittes zum Nachdenken über unser Verhalten in und gegenüber der Natur und zu ökologisch bewusstem Handeln anregen – für eine gesunde Zukunft und Erde im Gleichgewicht, soweit wir dies beeinflussen können.
Herzblick
Durch das Herz blickt man in die Natur. Leider hat H. Machmor die lebensgroße menschliche Figur nicht, wie im Entwurf vorgegeben, konsequent als silhouettenhaftes Tiefrelief ausgearbeitet, das seltsame Gesicht, als künstlerische Freiheit interpretiert, wirkt irritierend.
Gegen den Strom
Als Hochrelief wurde ein Fischschwarm aus dem Stamm heraus gearbeitet. Durch dessen Form hat der Schwarm keinen Anfang und kein Ende. Einige wenige Fische schwimmen „gegen den Strom“. Der Gruppendruck in dieser Welt ist groß. Gegen den Strom zu schwimmen, ist nicht einfach. Eine andere Meinung zu vertreten; in Opposition zur Mehrheit zu stehen kostet Kraft und verlangt ein starkes Rückgrad. Ein Sprichwort besagt: „Um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen“. Zu allen Zeiten gab es Menschen, die sich nicht mit der Masse in eine Richtung bewegten, sondern ein anderes Denken, eine neue Philosophie, Erkenntnis oder Weltanschauung vertraten, um Veränderungen zu bewirken, um neue Entwicklungen einzuleiten. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit, selbst noch im 20. Jahrhundert, bedenkt man die Grausamkeiten des Nationalsozialismus, wurden diese Menschen verketzert, bestraft, gefoltert, getötet. Dennoch – sie prägten die Geschichte, so auch diejenigen, die Erfindungen machten, die zunächst verlacht wurden und dann die Welt revolutionierten. Philosophisch betrachtet bedeutet das Schwimmen gegen den Strom zur Quelle wohl den Weg zu neuen Bewusstseinsstufen und Erkenntnissen, den schon Platon in seinem Höhlengleichnis als Befreiung aus einer Höhle hinaus ins Sonnenlicht beschrieb.
Doch nun zurück zu den Fischen. Schaut man über den Zaun an der gegenüber liegenden Seite des Weges, so entdeckt man Fischteiche, in denen die Fische vielleicht alle durcheinander schwimmen.
Skispringer
auf Bank kniend, mit der rechten Körperhälfte seine Sprungkraft vorführend Die Skulptur stellt einen Skispringer in Anlehnung an Jens Weißflog dar (den der Künstler auch persönlich kennt), der sich inmitten von anderen Menschen, hier Wanderern, an einem Tisch befindet, mit ihnen ins Gespräch kommt und seine Sportart mit ihren Besonderheiten zu erklären versucht.
„Dabei scheint es das Beste zu sein seinen Gesprächspartnern die Körperhaltung während der Flugphase vorzuführen. Dies gelingt nur, indem er sich auf eine Körperhälfte beschränkt, sich mit einem Bein auf die Bank kniet und sich mit dem linken Arm auf dem Tisch abstützt. Der Skispringer ist von seiner Sportart total überzeugt und „gefesselt“. Er ist mit Leib und Seele dabei. Das soll auch in der Darstellung zum Ausdruck kommen. Es sind nicht die realen Körperumrisse gestaltet, sondern umlaufende Spiralen um Körper, Arme und Beine sollen das „Gefesseltsein“ in positivem Sinne verdeutlichen.
Der Sportler zeigt Weitblick, indem seine innere Haltung und sein ausdauerndes Training auf einen Erfolg in der Zukunft hoffen lassen. Des Weiteren kann er beim Absprung nicht auf seine Umgebung vor ihm blicken, wie die Darstellung vermuten lassen könnte, sondern muss den Auslauf, die Weite sehen, die er mit einem perfekten Sprung erreichen will und die somit zum Sieg führen kann“ (Tobias Michael).
Unendlichkeit
Die minimalistische Kreation eines Reifs aus Eichenholz steht für unendliche Weite. Der Kreis ist mit seiner nicht endenden Linie das Symbol für Unendlichkeit, die größte Weite, die man sich vorstellen kann; sie beinhaltet auch die größte Weite, die für unseren Blick möglich ist – ein Gespür für Unendlichkeit initiierend, weit entfernt von Wissen. Die Farbe Blau gilt als Farbe der Ferne, der Transzendenz, der Unendlichkeit. Die Symbolik der Form wird einfach durch die der Farbe verstärkt, die sich dunstig aufgehellt als Verblauung auf den fernen Wellen der Berge zeigt.
Infos/Kontakt
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36199 Rotenburg a. d. Fulda
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